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ATÖF – Bund der Türkischen Lehrervereine in Deutschland e.V.: Stellungnahme zu den neuen Bildungsplänen in der Türkei

Im neuen Schuljahr werden die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen in der Türkei mit einem spärlichem Bildungsplan konfrontiert. Das Türkische Bildungsministerium hat sich dafür ausgesprochen, die Evolutionstheorie aus den Unterrichtsinhalten zu streichen. Als Begründung führt der Bildungsminister an, dass die Darwinistische Evolutionstheorie für jüngere Schüler einerseits zu komplex, andererseits zu kontrovers sei. Demnach würden die Unterrichtsinhalte das „Verständnis der Schülerschaft übersteigen“. Die türkischen Gymnasiasten sollten sich nicht mit diesen Inhalten befassen, sondern erst an der Universität mit der Thematik in Berührung kommen.

Der ATÖF verfolgt die aktuellen bildungspolitischen Entwicklungen mit großem Bedenken und kritisiert den Entschluss, die Evolutionstheorie aus den allgemeinen Schullehrplänen zu streichen,  da hiermit insbesondere die Wissenschaft missachtet wird. Bei der Evolutionstheorie handelt es sich um eine erwiesene Wissenschaft, die allen Menschen zugänglich sein muss. Den türkischen Schülern diese Erkenntnis vorzuenthalten, ist ein enormer Eingriff in Bezug auf das selbständige Lernen und Reflektieren von Wissensinhalten. Es scheint, als würde die türkische Regierung ihre Schüler gängeln und ihnen bewusst Informationen vorenthalten sowie die Kritik- und Urteilungsfähigkeit eindämmen.

Die wissenschaftlichen Inhalte gehören zum Curriculum, auch wenn sie kontrovers diskutiert und von den Kreationisten abgelehnt werden.  Die naturwissenschaftlichen Beschreibungen und Erklärungen sind in der Regel in Hinblick auf das Selbst- und Weltverständnis des Menschen ausgelegt. Dabei können  die religiösen Vorstellungen als Perspektivwechsel und als differenzierte Sichtweisen thematisiert werden.

Gerade durch diese Inhalte werden wichtige Impulse gegeben, die dazu beitragen, dass die Schülerschaft dazu angeregt wird, Informationen kritisch zu hinterfragen. Dadurch wird die Kompetenz der Urteilsbildung gefördert. Aus diesem Grund  sollte die türkische Bildungspolitik die wissenschaftlichen Inhalte sowie verschiedenen Denkweisen in den Schullehrplänen  beibehalten.

Der ATÖF  erinnert daran, dass die Türkei ein laizistischer Staat mit Religionsfreiheit ist. In einem laizistischen und demokratischen Land müssen sich die Bildungspläne an diesen Werten orientieren. Deshalb  gehören die Prinzipien des Säkularismus und des Laizismus – der Trennung von Kirche und Staat – weiterhin zum Bildungsplan der allgemeinbildenden Schulen und dürfen nicht verkürzt werden.

Bilge Yörenç
Stellvertretende Vorsitzende des ATÖF

Die Stellungnahme als PDF

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